Zum Hauptinhalt springen

MED | Nach einer Trennung: Wer beobachtet Ex-Partner*in weiterhin auf Instagram?

Neue Studie zu Interpersonal Electronic Surveillance (IES) untersucht Zusammenhänge mit Persönlichkeit, Bindungsstil und emotionaler Belastung

Das Ende einer romantischen Beziehung kann emotional sehr belastend sein. Soziale Medien wie Instagram verleihen diesem Prozess eine zusätzliche digitale Dimension: Auch nach dem Ende einer Beziehung ermöglichen sie es, die Online-Aktivitäten der Ex-Partnerin oder des Ex-Partners weiterhin zu verfolgen.

Eine neue Studie von Valentina Wegener, Henrik Bischoff und Christiane Eichenberg vom Institut für Psychosomatik der Fakultät für Medizin untersucht, welche psychologischen Faktoren mit diesem Verhalten zusammenhängen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass insbesondere die emotionale Belastung durch die Trennung eine wichtige Rolle bei der Beobachtung von Ex-Partner*innen auf Instagram spielt.

Ex-Partner*innen im digitalen Zeitalter beobachten

In der psychologischen Forschung wird das Beobachten der Online-Aktivitäten und das gezielte Suchen nach digitalen Informationen über eine andere Person als Interpersonal Electronic Surveillance (IES) bezeichnet. Frühere Studien, insbesondere zu Facebook, deuten darauf hin, dass ein ängstlicher Bindungsstil und emotionale Belastung nach einer Trennung mit verstärktem Monitoring-Verhalten zusammenhängen können.

Die neue Studie erweitert diesen Forschungsansatz auf Instagram, eine besonders bei der Generation Z verbreitete Plattform, und berücksichtigt zusätzlich Persönlichkeitsmerkmale. Untersucht wurde rückblickend das Monitoring von Ex-Partner*innen auf Instagram während der ersten drei Wochen nach einer Trennung.

Emotionale Belastung zeigt den deutlichsten Zusammenhang

An der Studie nahmen 232 Personen im Alter von 18 bis 27 Jahren teil, die innerhalb des vergangenen Jahres eine Trennung erlebt hatten und ihrer Ex-Partnerin oder ihrem Ex-Partner auf Instagram folgten. Die Daten wurden mittels einer querschnittlichen Online-Befragung erhoben, die standardisierte Messinstrumente sowie zusätzliche studienspezifische Fragen umfasste.

Die Analysen zeigten, dass Extraversion das einzige Persönlichkeitsmerkmal war, das direkt mit einem verstärkten Monitoring auf Instagram zusammenhing. Für die untersuchten Bindungsstile zeigte sich hingegen kein direkter Zusammenhang mehr, sobald die emotionale Belastung durch die Trennung in das statistische Modell einbezogen wurde.

Besonders deutlich zeigte sich die trennungsbezogene emotionale Belastung: Sie erwies sich als der Faktor, der am konsistentesten mit Interpersonal Electronic Surveillance zusammenhing. Die Ergebnisse weisen zudem auf indirekte Zusammenhänge von ängstlicher Bindung und Neurotizismus mit dem Monitoring-Verhalten über die emotionale Belastung hin.

Die Ergebnisse sprechen somit weniger für einen bestimmten Persönlichkeitstyp oder Bindungsstil, der Menschen dazu veranlasst, ihre Ex-Partner*innen online zu beobachten. Vielmehr unterstreichen sie die zentrale Bedeutung des emotionalen Erlebens der Trennung selbst.

Digitale Bewältigungsstrategien nach einer Trennung besser verstehen

Die Ergebnisse tragen zu einem wachsenden Forschungsfeld bei, das untersucht, wie soziale Medien den Umgang mit dem Ende romantischer Beziehungen beeinflussen. Die Autor*innen beschreiben digitales Monitoring als eine potenziell maladaptive Bewältigungsstrategie und betonen, dass die Nutzung sozialer Medien bei der Erforschung der psychischen Verarbeitung von Trennungen berücksichtigt werden sollte.

Gleichzeitig wirft die Studie weitere Forschungsfragen auf: Wie beeinflussen sich emotionale Belastung und Online-Monitoring im Laufe der Zeit gegenseitig? Und unter welchen Umständen könnte das fortgesetzte Verfolgen von Ex-Partner*innen in sozialen Medien die Verarbeitung einer Trennung erschweren?

Die Studie Post-Breakup Instagram Surveillance: Attachment Style, Personality Traits, and Breakup Distress as Predictors von Valentina Wegener, Henrik Bischoff und Christiane Eichenberg ist in Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking erschienen.

zum Seitenanfang