MED | KI in der Psychotherapie: Positionspapier untersucht Chancen und Grenzen
Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den Bereich der psychischen Gesundheit – von der psychologischen Forschung und klinischen Ausbildung bis hin zu KI-Tools, die zur emotionalen Unterstützung genutzt werden. Doch welche Rolle sollte KI in der Klinischen Psychologie und Psychotherapie spielen, wo therapeutische Beziehungen, professionelle Verantwortung und Patient von zentraler Bedeutung sind?
Ein neues Positionspapier der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), an dem Univ.-Prof. Christiane Eichenberg, Leiterin des Instituts für Psychosomatik und Autorin des Buches Künstliche Intelligenz und Psychotherapie, mitgewirkt hat, beleuchtet die Chancen und Risiken von KI in Forschung, Lehre und psychotherapeutischer Praxis.
Neue Möglichkeiten – und neue Herausforderungen
In der klinischen Forschung kann KI dazu beitragen, komplexe psychologische Prozesse zu analysieren und unterschiedliche Arten von Daten zu integrieren. In der klinischen Ausbildung kann generative KI die Erstellung von Fallvignetten und simulierten Patient*innen unterstützen und damit neue Möglichkeiten für das Training therapeutischer Kompetenzen eröffnen.
In der Psychotherapie reichen mögliche Anwendungen von Diagnostik, Monitoring und Dokumentation bis hin zur Unterstützung bei Fallkonzeption und Behandlungsentscheidungen. Gleichzeitig weisen die Autor*innen auf Herausforderungen hinsichtlich Zuverlässigkeit, Datenschutz, möglichen Verzerrungen und Patientensicherheit hin. Auch relationale und zwischenmenschliche Aspekte der Psychotherapie lassen sich durch automatisierte Systeme bislang nur eingeschränkt simulieren.
KI soll klinische Entscheidungen unterstützen, nicht ersetzen
Das Positionspapier spricht sich daher für einen Human-in-the-loop-Ansatz aus: KI-generierte Empfehlungen sollten kritisch geprüft und als kontextabhängige Vorschläge verstanden werden – nicht als eigenständige klinische Entscheidungen. Die letztendliche Verantwortung muss bei qualifizierten Fachpersonen bleiben.
Das ist insofern besonders wichtig, da die Auswirkungen von KI auf therapeutische Beziehungen und psychologische Prozesse noch nicht ausreichend erforscht sind. Die Autor*innen betonen zudem die Notwendigkeit besonderer Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche, die gegenüber Risiken KI-basierter Interaktionen besonders vulnerabel sein können.
Insgesamt plädiert das Positionspapier für einen menschenzentrierten Einsatz von KI in der Psychotherapie, begleitet von weiterer Forschung zu Sicherheit, Wirksamkeit und langfristigen Auswirkungen.
Das Positionspapier Potenziale und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der klinisch-psychologischen Forschung, Lehre und Praxis – Eine Perspektive der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie ist 2026 in der Psychologischen Rundschau erschienen.
Das Buch Eichenberg, C., Bischoff, H. & Krusche, J. (2026). Künstliche Intelligenz und Psychotherapie ist 2026 bei Klett-Cotta erschienen.