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Forschungslabor

Herzlich Willkommen im SFU Forschungslabor!

Die Wissenschaft strebt in ihren Grundsätzen stetig nach Erweiterung von Wissen. Die Grundlagenforschung ermöglicht neue Erkenntnisse über die komplexen Aufgaben des Körpers und von Zellabläufen. Zellkulturen stellen tierversuchsfreie Methoden dar, um Antworten auf wichtige medizinische Fragestellungen zu erlangen.

Das 2021 etablierte Forschungslabor am Freudplatz wird seit der Eröffnung des erweiterten Grundlagenlabors in der Walcherstraße insbesondere für verpflichtende Laborpraktika im Medizinstudium sowie für Forschungsprojekte im Bereich der Zahnmedizin genutzt.

Das SFU MED Forschungslabor in der Walcherstraße 11A bietet mehreren Arbeitsgruppen Raum für translationale biomedizinische Forschung und verfügt über eine moderne wissenschaftliche Infrastruktur mit einer breiten Auswahl an hochentwickelten Geräten und Methoden. Den Forschenden stehen Laborbereiche für molekularbiologische Methoden, Zellkultur und histologische Analysen sowie eine separate Abteilung für mikrobiologische Arbeiten zur Verfügung.

Arbeitsgruppe Personalisierte Medizin

Wir identifizieren und validieren Vulnerabiltäten bei Krebserkrankungen, um zielgerichteter Therapien zu ermöglichen.

Ziele

Unser Ziel ist es, neue Erkenntnisse in der Tumorbiologie und im Alterungsprozess zu gewinnen – als wissenschaftliche Grundlage für Prävention und Therapie.

Unsere Forschung

Dieser Ansatz beginnt auf molekularer Ebene: vor allem durch Mutation veränderte und überexprimierte Proteine mit Enzymaktivität sind potentielle Kandidaten für zielgerichtete Therapiekonzepte.

Ein besonders geeignetes Modell für diese Fragestellungen ist die chronische myelomonozytäre Leukämie (CMML).
Die Erkrankung beinhaltet zahlreiche Aspekte der Tumorbiologie wie molekulare Heterogenität, Signalpfadüberaktivierung, Inflammation und Mehrstufenpathogenese. Darüber hinaus entsteht sie durch die sequentielle Aneignung genetischer und phänotypischer Merkmale, die auch bei alternden gesunden Personen beobachtet werden kann. Die CMML wird daher oft als leukämische Konversion einer alternden Hämatopoese betrachtet, die manche Prinzipien des Alterungsprozesses aufweist. Wie in vitro Untersuchungen mit genmanipulierten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSC) sowie Auswertungen unseres CMML-Kollektivs zeigen, beginnt diese Erkrankung meist mit einer molekularen Veränderung im Bereich der epigenetischen Maschinerie, die man als klonale Hämatopoese bezeichnet (CHIP), entwickelt sich durch eine zusätzliche Akquisition einer zweiten molekularen Veränderung im Bereich des Spliceosoms weiter über ein myelodysplastisches Syndrom (MDS) artiges Stadium, ehe durch eine dritte molekulare Veränderung im Bereich des RAS-Signalpfades die Erkrankung in ein proliferatives bzw. akute myeloische Leukämie (AML) artiges Endstadium übergeht. Ausgehend von der Mehrstufenpathogenese dieser Erkrankung werden von uns Unterschiede zwischen den einzelnen Entwicklungsstufen unter Anwendung eines Multiomics Approaches charakterisiert. Mithilfe dieses Ansatzes sollen schließlich wichtige Erkenntnisse im Bereich Tumorbiologie und Alterungsprozess generiert werden, die sowohl für prophylaktische/präventive als auch therapeutische Maßnahmen eine rationale Basis darstellen.

Arbeitsgruppe Biomarker

Wir fokussieren uns auf die Entwicklung und Validierung von Biomarkern für die Diagnose und Prognostizierung chronischer Erkrankungen.

Ziele

Wir entwickeln Werkzeuge, die „maßgeschneiderte Therapien“ für Erkrankungen verbessern. Solche Erkrankungen sind meist sehr selten und „maßgeschneiderte Therapien“ sind mit hohen Kosten verbunden.

Unsere Forschung

Unter „Biomarkern“ versteht man im medizinischen Kontext objektiv messbare biologische Stoffe wie Proteine, Gene oder Hormone, die als Indikatoren für gestörte Körperfunktionen oder für gestörte Reaktionen auf Behandlungen dienen. Sie werden in Blut, Gewebe oder Körperflüssigkeiten bestimmt, um Krankheiten zu diagnostizieren, den Verlauf der Krankheit vorherzusehen, oder das individuelle Ansprechen auf eine bestimmte Therapie vorherzusehen. Im erweiterten Sinne können auch Ergebnisse von bildgebenden Verfahren oder Funktionsuntersuchungen, oder sogar Aussagen des Patienten zu seiner Befindlichkeit als Surrogate für Biomarker dienen bzw. klinisch chemische Biomarker unterstützen.
Gute Biomarker sind objektiv, präzise und reproduzierbar bestimmbar. Die Zahl der verfügbaren Biomarker hat sich in den vergangenen 100 Jahren exponentiell erhöht. Die Forschung an Biomarkern macht einen großen Teil der medizinischen Forschungsleistung aus und ist für alle Fächer der Medizin relevant.
Im Rahmen unserer früheren Arbeitsgruppe an der Medizinischen Universität Graz haben wir einen neuen Biomarker für die Diagnose und Prognostizierung der pulmonalen Hypertonie entwickelt.

Standortvorteile

Die Verfügbarkeit von Mortalität als Endpunkt für prognostische Biomarker ist in Österreich besser als in den meisten Ländern weltweit. Dies ist auf den Dienst von Statistik Austria zurückzuführen. Der Surrogatendpunkt „Peak VO2″, der aus dem kardiopulmonalen Belastungstest (CPET) abgeleitet wird, wurde bei mehreren Erkrankungen validiert, und Horst Olschewski verfügt über umfangreiche Erfahrung mit dieser anspruchsvollen Methode.

Weitere Interessensgebiete

Untersuchung von glatten Muskelzellen und Endothelzellen zur Entschlüsselung der Effekte von knochenmorphogenetischen Proteinen.

Graphical Abstract from Bordag N, Nagy BM, Zugner E, et al. Lipid Ratios for Diagnosis and Prognosis of Pulmonary Hypertension. Am J Respir Crit Care Med 2025; 211: 1264-1276. DOI: 10.1164/rccm.202407-1345OC.

Arbeitsgruppe Conservative Dentistry

Wir befassen uns mit relevanten Fragestellungen in der Präventiv-, Restaurativ- und Endodontie. An der Schnittstelle von Grundlagenforschung, klinischer Zahnmedizin und Public Health integrieren wir zellbiologische Laborforschung, klinische endodontische Forschung und bevölkerungsbasierte Analysen in einen translationalen Forschungsansatz.

Ziele

• Bewertung der biologischen Effekte und Sicherheit von Dentalmaterialien und klinischen Verfahren
• Generierung klinisch relevanter Evidenz für eine evidenzbasierte konservative Zahnheilkunde und Endodontie
• Untersuchung von Mundgesundheit und zahnmedizinischer Versorgung anhand bevölkerungsbasierter Daten und Routinedaten
• Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit und Unterstützung von Nachwuchsforschenden

Unsere Forschung

Zellbiologie und Dentalmaterialien

Ein zentrales Forschungsgebiet ist die Untersuchung der Biokompatibilität von Dentalmaterialien und präventiven Verfahren mithilfe von in vitro Zellkulturmodellen. Zu den laufenden Projekten zählt eine durch den FFF der SFU MED geförderte Studie, die die Effekte verschiedener Air-Polishing-Pulver auf orale Gewebezellen untersucht. Zu den Ergebnisparametern zählen Zellviabilität, Proliferationsverhalten sowie proinflammatorische Reaktionen auf Gen- und Proteinebene nach klinisch simulierten Expositionszeiten.

Endodontie

Die endodontische Forschung konzentriert sich auf die Wurzelkanalmorphologie, die periapikale Gesundheit und behandlungsbezogene Ergebnisse, wobei klinische Daten mit fortgeschrittenen diagnostischen Ansätzen kombiniert werden. Die digitale Volumentomographie (DVT) wird eingesetzt, um die Beurteilung komplexer Wurzelkanalsysteme und periapikaler Befunde zu verbessern, einschließlich der Detektion und morphologischen Charakterisierung zusätzlicher Kanäle wie des zweiten mesiobukkalen Kanals (MB2) in oberen ersten Molaren.

Public Health und Versorgungsforschung

In Zusammenarbeit mit Apollonia und anderen Vertragspartnern führt die Abteilung Public-Health-orientierte zahnmedizinische Forschung unter Verwendung umfangreicher Routinedatensätze durch. Diese Projekte befassen sich mit Krankheitsmustern, der Inanspruchnahme zahnmedizinischer Leistungen, Präventionsstrategien und dem Mundgesundheitsbedarf verschiedener Bevölkerungsgruppen.

Kooperationen

Wir freuen uns über innovative Ideen, interdisziplinäre Kooperationen und neue Teammitglieder, insbesondere in der experimentellen, klinischen und datengestützten Zahnmedizinforschung.
Diese dreidimensionale DVT-Rekonstruktion zeigt die komplexe Wurzelkanalanatomie eines oberen ersten Molaren und veranschaulicht die MB1- und MB2-Kanalkonfiguration, die im Mittelpunkt unserer endodontischen Forschung steht.

Weitere Forschungsaktivitäten

Das Melanom im Einfluss von Mikroorganismen: Die Rolle von Staphylokokken-Sekretomen entschlüsselt

Dieses Projekt untersucht, wie Bakterien die natürlicherweise auf unserer Haut leben, das Verhalten von schwarzen Hautkrebszellen beeinflussen. Ziel ist es herauszufinden, ob bestimmte bakterielle Substanzen das Tumorwachstum fördern oder hemmen um damit die Hautkrebstherapie zu verbessern.

BDNF als Biomarker in der Psychotherapie – in Richtung Präzisionspsychiatrie

Die BDNF-BioPsy-Pilotstudie untersucht an 300 Patient:innen, ob bestimmte genetische Varianten des BDNF-Gens den Erfolg einer kognitiven Verhaltenstherapie vorhersagen können. Ziel ist es, bisherige Befunde zu replizieren und BDNF langfristig als Biomarker für das Therapieansprechen in der psychotherapeutischen Medizin zu etablieren.

Untersuchungen zur Glykokalyx

Diese Studie untersucht den Abbau der endothelialen Glykokalyx bei schweren Erkrankungen (ex vivo) sowie den Einfluss von intensivmedizinischen Medikamenten auf diese Schutzschicht (in vitro). Hierfür wird ein Zellmodell etabliert, das sowohl statische Bedingungen als auch natürliche Blutströmungen simuliert, um schädigende und schützende Effekte zu identifizieren.

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