Das Institut für Psychosomatik der Fakultät für Medizin
Am 01.12.2016 wurde an der Fakultät für Medizin der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien ein neues Institut gegründet, das Institut für Psychosomatik.
Inhaltliche Ausrichtung des Instituts
Das Institut für Psychosomatik an der SFU MED erforscht die Wechselwirkungen zwischen Körper, Geist und digitalen Lebenswelten im Kontext moderner Gesundheitsversorgung. Es verbindet klassische psychosomatische Medizin mit innovativen Ansätzen der E-Mental-Health-Forschung und untersucht sowohl die Entwicklung und Anwendung digitaler Gesundheitslösungen als auch die Einflüsse digitaler Umgebungen auf psychisches Wohlbefinden und psychosomatische Prozesse. Im Zentrum steht die Frage, wie technologische, soziale und emotionale Faktoren in virtuellen und hybriden Räumen mentale Gesundheit formen – von digitalen Therapietools bis zu alltäglichen Medienerfahrungen.
Das Institut für Psychosomatik versteht sich als interdisziplinäres Institut für Forschung, Lehre und Anwendung, das evidenzbasierte Erkenntnisse zu einem integrativen Verständnis von Gesundheit im digitalen Zeitalter zusammenführt. In diesem Sinne arbeitet das Institut seit Bestehen interfakultär mit zahlreichen Projekten v.a. gemeinsam mit der Fakultät für Psychologie in Wien und Mailand sowie der Fakultät für Psychotherapiewissenschaft in Wien und Berlin und stützt damit die SFU als Schwerpunktuniversität im Gesundheitsbereich. Gleichzeitig vernetzt es die verschiedenen Zentren der SFU MED, in dem psychosomatische, psychotherapeutische und psychologische Aspekte mit den Fragestellungen und Krankheitsbildern verschiedener medizinischer Fächer verbunden werden (v.a. Projekte im Bereich der Kardiologie, Anästhesie, Gynäkologie, Zahnmedizin) und stellt daher in der Med. Fakultät ein Querschnittsinstitut dar.
Ergänzend verfolgt das Institut translationale Ansätze, die wissenschaftliche Erkenntnisse in klinische, psychotherapeutische und digital-praktische Anwendungskontexte überführen. Dies erfolgt seit Bestehen des Instituts auch durch eine intensive Weiterbildungs- und Disseminationsarbeit für in der Psychosomatik und Psychotherapie tätige Fachpersonen – unter anderem im Rahmen von Fortbildungen in Kooperation mit der Weiterbildungsakademie der SFU sowie durch Keynotes und Beiträge auf Fachtagungen psychosomatischer und psychotherapeutischer Berufs- und Fachverbände.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte
Aktuelle Forschungsschwerpunkte
Zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten zählen empirische Untersuchungen zur Rolle affektiver, interozeptiver und sozialer Prozesse in virtuellen Umgebungen, zu digitalem Stress und Bewältigungsmechanismen im Kontext von Bindung und Mentalisierung sowie zur Wirksamkeit, Akzeptanz und Inanspruchnahme digitaler Interventionen – darunter Videotherapie, KI-basierte Anwendungen und mobile Applikationen zur Prävention und Behandlung – im psychosomatischen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgungskontext unter Berücksichtigung der settingbedingten Veränderungen therapeutischen Handelns. Ziel ist es dabei nicht lediglich bestehende Entwicklungen in Österreich und Deutschland wissenschaftlich zu begleiten, sondern auch proaktiv zur evidenzbasierten Weiterentwicklung digitaler Versorgungsmodelle beizutragen.
Eine Übersicht zu konkreten Projekten ist auf dem Forschungsportal der SFU zu finden.
Auszüge:
1. Online-Nutzung und Bindungsstile
Bindungsorganisationen haben Einfluss darauf, wie wir zwischenmenschliche Beziehungen gestalten. Ebenso sind unsichere Bindungsmuster mit einer erhöhten Prävalenz assoziiert, an einer psychischen Störung zu erkranken, wie. z.B. Suchterkrankungen. Wenig erforscht ist jedoch, inwiefern bestimmte Bindungsstile sich auf die Gestaltung von Online-Beziehungen auswirken bzw. ob bestimmte Bindungstypen überzufällig mit einer Opfer- bzw. Täterschaft im Zusammenhang mit Cybercrime einhergehen.
In einer Studienserie wurde und wird u.a. folgenden Forschungsfragen nachgegangen:
- Unterscheiden sich Menschen mit verschiedenen internetbezogenen Süchten in ihren Bindungsstilen und ihrer Fähigkeit zur Mentalisierung?
- Besteht ein Zusammenhang zwischen verschiedenen Phänomenen der Online-Nutzung und -Beziehungsgestaltung (Fomo, Phubbing und Ghosting) in Bezug auf Bindungsstile und Persönlichkeitseigenschaften?
- Welche psychischen Faktoren stehen in Zusammenhang mit der Online-Gaming-Disoder? Gibt es länderspezifische Unterschiede?
- Welche Rolle spielen Bindungsstil, Persönlichkeitsmerkmale und erlebter Trennungsstress bei der Vorhersage von Instagram-Surveillance nach dem Ende einer romantischen Beziehung?
- Cybertrauma: Phänomene, Ereignisprävalenz, Belastungserleben und PTBS-Symptomatik unter Student*innen die Cyberdating-Missbrauch erlebt haben.
- Cyberstalking: Unterscheiden sich Opfer und Täter in ihren Bindungsstilen, Traumagenese, PTBS-Symptomatik und Persönlichkeitseigenschaften?
- Chancen und Probleme digitaler Mediennutzung in bestehenden Partnerschaften
Zudem wurde an der aktuellen S1-Leitlinie zu den Internetnutzungsstörungen mitgearbeitet (Teil „Internetnutzungsstörung allgemein“
2. Künstliche Intelligenz in der Psychotherapie
In verschiedenen Teilprojekten werden die Chancen, Grenzen und Perspektiven des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Psychotherapie untersucht. Sie beleuchten technologische Grundlagen, Anwendungsfelder wie Chatbots, Diagnostik oder personalisierte Interventionen sowie ethische und rechtliche Fragestellungen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Integration von KI in verschiedene Therapieformen, der therapeutischen Beziehung und der Akzeptanz bei Fachkräften und Patient*innen.
Es wurden zwei eigene Studien durchgeführt, u.a. eine Interviewstudie mit Ausbildungsleiter*innen zur KI in der Therapeut*innenausbildung und eine Akzeptanzanalyse von Online-Berater*innen zu ChatGPT (Masterarbeit). Ein aktuell betreutes Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, ob wenn mittels welcher Interventionen ein KI-basierter Chatbots das Wohlbefinden verbessert kann.
Die Ergebnisse erscheinen 2026 in einer Monografie; die Studie zur Akzeptanzanalyse in einem Zeitschriftenartikel; weitere Publikationen zum Thema sind bereits erschienen.
Das Themenfeld wird weiter bearbeitet, aktuell mit einer Prozess-Outcome-Studie zu einem KI-Chatbot zur Prävention von Partnerschaftskonflikten sowie einer Studie zu den klinisch relevanten Effekten der KI-Nutzung.
3. KI-basierte und digitale Anwendungen in verschiedenen medizinischen Fächern
Das Projekt untersucht die Nutzung, Akzeptanz und Potenziale von Künstlicher Intelligenz (KI) und digitalen Technologien in verschiedenen medizinischen Fachrichtungen. Im Fokus stehen spezifische Anwendungsbereiche und patientenbezogene Perspektiven. Einzelstudien erfassen u. a. die Akzeptanz KI-basierter Diagnosen in der Dermatologie (Fragebogenstudie mit teledermatologisch erfahrenen Patient*innen, basierend auf dem UTAUT2-Modell), den Einsatz KI-gestützter Systeme zur Patientenaufklärung in der Anästhesie sowie psychologische Virtual-Reality-Anwendungen in der Zahnmedizin zur Förderung von Inanspruchnahme und Angstreduktion. Ziel des Projekts ist es, fächerübergreifend Chancen und Herausforderungen digitaler Medizin sichtbar zu machen und Handlungsempfehlungen für eine patientenzentrierte Integration zu entwickeln.
4. Veränderungen therapeutischen Handelns im Online-Setting
Die Online-Psychotherapie hat durch die Covid-19-Pandemie eine Trendwende erfahren. Damit verbunden sind neue Optionen für die Versorgung psychisch kranker Menschen, gleichzeitig stellen sich Fragen des Einflusses veränderter Settingbedingungen auf den Therapieprozess und das -ergebnis. In diesem Kontext untersuchen wir u.a.:
- Verändern sich zentrale psychoanalytischer Konzepte im therapeutischen Videotelefonie-Setting? Eine qualitative Interviewstudie an Psychoanalytiker*innen.
- Zum Umgang mit Suizidalität in der Online-Therapie: Befragung an Psychotherapeut*innen
- Nutzung von Videotherapie in der Zeit nach der Covid-19-Pandemie
- Digitale Gesundheitsanwendungen in der ambulanten Psychotherapie – Erfahrungen mit Gesundheits-Apps auf Rezept in Deutschland und die Möglichkeit ihrer Anwendung in Österreich
5. Interozeption, mentale Gesundheit und computational modelling
Ein zentraler Forschungsschwerpunkt des Instituts für Psychosomatik ist auch die Untersuchung interozeptiver Prozesse als grundlegender Mechanismen mentaler Gesundheit. Interozeption, die Wahrnehmung und Regulation körperlicher Signale wie Atmung, Herzaktivität oder viszeraler Zustände, spielt eine Schlüsselrolle für Emotionsregulation, Selbstwahrnehmung und Stressverarbeitung. Dysfunktionen interozeptiver Verarbeitung werden mit einer Vielzahl psychischer und psychosomatischer Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Angststörungen, Depression, chronischer Schmerz und Suchterkrankungen.
Das Institut erforscht interozeptive Prozesse im Zusammenspiel mit affektiven, relationalen und digitalen Kontexten, insbesondere mit Blick auf Bindung, Mentalisierung und digitale Settings wie Online-Therapie oder virtuelle Umgebungen. Ergänzend werden computationale Modellierungsansätze eingesetzt, um interozeptive Dynamiken formal abzubilden und individuelle Unterschiede in Wahrnehmung, Regulation und Vulnerabilität quantitativ zu beschreiben. Ziel ist es, interozeptionsbasierte Mechanismen besser zu verstehen und für die Entwicklung evidenzbasierter, auch digital unterstützter Interventionen nutzbar zu machen.
Publikationen
Publikationen
Aktuelle Publikationen
Eine vollständig Liste der Publikationen finden Sie unter www.christianeeichenberg.de
Aktuelle Publikationen sind ebenfalls auf dem Forschungsportal der SFU zu finden.
Eichenberg, C., Bischoff, H. & Krusche, J. (2026). Künstliche Intelligenz und Psychotherapie. Stuttgart: Klett-Cotta.
Psychosomatik
Die Psyche in Zeiten der Corona-Krise. Herausforderungen und Lösungsansätze für Psychotherapeuten und soziale Helfer
Herausgeber: Bering, R. & Eichenberg, C. (2021)
Verlag: Stuttgart: Klett-Cotta
(3. vollständ. überarb. Neuaufl.)
Klappentext
Die Psyche in Zeiten der Corona-Krise. Herausforderungen und Lösungsansätze für Psychotherapeuten und soziale Helfer
Herausgeber: Bering, R. & Eichenberg, C. (2020)
Verlag: Stuttgart: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98411-8
1. Auflage 2020, ca. 256 Seiten, broschiert
Einführung Klinische Psychosomatik
Herausgeber: Eichenberg, C. & Senf, W. (2019)
Reihe: PsychoMed compact
Verlag: München: UTB
ISBN: 9783825252632
1. Auflage 2020, 302 Seiten, kartoniert
Klappentext
E-Mental Health
Digitale Selbsthilfe bei psychischen Störungen
Chancen, Risiken und Auswirkungen auf die Behandlung
Herausgeberinnen: Eichenberg, C. & Auersperg, F.
Verlag: Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN: 978-3-8017-3104-5
1. Auflage 2022, 82 Seiten
Blick ins Buch
Chancen und Risiken digitaler Medien für Kinder und Jugendliche:Ein Ratgeber für Eltern und Pädagogen.Herausgeberinnen: Eichenberg, C. & Auersperg, F. (2018)Verlag: Göttingen: Hogrefe
ISBN: 9783801726478
1. Auflage 2018, 178 Seiten
Klappentext
Psychotraumatologie
Trauma und digitale Medien: Therapiemöglichkeiten und Risiken.
Eichenberg, C. & Huss, J. (2023).
Verlag: Klett-Cotta
Klappentext
Einführung Psychotraumatologie
Herausgeber: Eichenberg, Christiane; Zimmermann, Peter: Reihe: PsychoMed compact
ISBN:9783825247621; 1. Auflage 2017, 177 Seiten
Klappentext
Selbstbehandlung
Selbstbehandlung und Selbstmedikation
Herausgeber: Christiane Eichenberg, Elmar Brähler, Hans-Wolfgang Hoefert
Reihe: Organisation und Medizin – Band 19
ISBN: 9783801726881
1. Auflage 2017, 400 Seiten
Klappentext
Veranstaltungen & Interviews
Veranstaltungen & Interviews
Aktuelle Veranstaltungen
Weiterführende Information zur Veranstaltungsreihe des Instituts für Psychosomatik entnehmen Sie unter den Eventankündigungen der Universität:
Alle Vorträge von Univ.-Prof. Dr. Eichenberg finden Sie auf ihrer persönlichen Webseite.
Aktuelle Medieninterviews (Auswahl)
- Radiointerview: Soziale Netzwerke: Social-Media-Sucht – Ab wann reichts? WDR 3 Mosaik, 04.02.2025.
- Radiointerview: Social Media-Plattformen – Selbsthilfe für junge User. Bayern 2, 07.02.2025.
- Videointerview: Fachkommentar zu “Gaza – Der Krieg bestimmt mein Leben”. arte.tv.
- Radiointerview: Woche der seelischen Gesundheit: können Apps der Psyche helfen? Deutschlandfunk Kultur, 10.10.2025.
- Interview: “Soziale Medien verstärken Depressionen, nicht umgekehrt“. FOCUS, 25.11.2025.
Unser Angebot für Studierende
Unser Angebot für Studierende
Wir betreuen Qualifikationsarbeiten für Studierende der Medizin, Psychologie und Psychotherapiewissenschaften. Aktuell zu vergebende Themen werden über die entsprechenden Verteiler publik gemacht, können aber ebenso auch per E-Mail bei der Institutsleitung angefragt werden. Ebenso können eigene Themen aus den Bereichen der Forschungsschwerpunkte des Instituts eingebracht werden.
Forschungspraktika für interne und externe Studierende
Bei Interesse an Forschungspraktika bitte eine E-Mail mit den üblichen Bewerbungsunterlagen an die Institutsleiterin. Gerne betreuen wir auch Studierende ausländischer Universitäten (z.B. Erasmus-Programm).
Kontakt
Leiterin des Instituts für Psychosomatik an der Fakultät für Medizin
Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Christiane Eichenberg
Psychologin und Psychoanalytikerin
eichenberg@sfu.ac.at
Unser Angebot für Gastwissenschaftler
Unser Angebot für Gastwissenschaftler
Wir bieten engagierten Gastwissenschaftler*innen die Möglichkeit, sich im Rahmen eines zeitlich begrenzten, unbezahlten Gastaufenthaltes aktiv in die Forschungsaktivitäten des Instituts einzubringen. Der Gastaufenthalt richtet sich an Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Psychotherapiewissenschaften oder angrenzenden Disziplinen.
Gastwissenschaftler*innen können an laufenden Forschungsprojekten der Forschungsschwerpunkte des Instituts mitwirken oder eigene Forschungsideen einbringen, sofern diese thematisch anschlussfähig sind. Die Einbindung erfolgt in enger Abstimmung mit der Institutsleitung und kann beispielsweise die Mitarbeit an Studien, Publikationen, methodischen Konzepten oder wissenschaftlichem Austausch umfassen.
Der Gastaufenthalt dient dem wissenschaftlichen Austausch, der Vernetzung sowie der Förderung gemeinsamer Forschungsaktivitäten. Eine Vergütung ist mit der Gastwissenschaftler*innentätigkeit nicht verbunden.
Bei Interesse bitten wir um eine formlose Anfrage per E-Mail an die Institutsleitung mit einem kurzen Motivationsschreiben, einem aktuellen Lebenslauf sowie einer Beschreibung des geplanten Forschungsvorhabens bzw. der gewünschten Mitarbeit.
Mitarbeitende des Instituts
Mitarbeitende des Instituts
Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Christiane Eichenberg
Psychoanalytikerin, Leiterin des Instituts
c.eichenberg@sfu.ac.at
Forschungsschwerpunkte
Psychosomatik, E-Mental Health, Psychotraumatologie, Psychotherapieforschung
CV Publikationsliste
mehr
Henrik Bischoff, MSc
mehr
Dr. Jan van Loh
Research fellow
jan.vanloh@sfu.ac.at
mehr
Leiterin des Instituts für Psychosomatik an der Fakultät für Medizin
Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Christiane Eichenberg
Psychologin und Psychoanalytikerin
eichenberg@sfu.ac.at