Warum an der SFU MED studieren?

Medizinisches, psychosoziales und naturwissenschaftliches Wissen als unverzichtbares Fundament

Das Curriculum legt in seiner Struktur Wert auf eine ausgewogene und adäquate Gewichtung der Ausbildungsinhalte. Die traditionellen Säulen der Medizinerausbildung – die Naturwissenschaften und der humanmedizinische Fächerkanon – bilden mit einem Anteil von rund 60% an den Ausbildungsinhalten den Kern des Curriculums. Ergänzend integriert sind die durchgehende klinisch-praktische Tätigkeit unter Aufsicht beginnend mit dem ersten Semester des Studiums, die longitudinal angelegte wissenschaftliche Ausbildung sowie die Vermittlung eines psychosozialen Grundverständnisses. Die Anteiligkeit der Ausbildungsinhalte ist ein Spiegelbild des dem Curriculum zugrunde liegenden Konzepts des Rollenverständnisses der Canadian Meds, das vom Royal College of Physicians and Surgeons of Canada bereits 1996, basierend auf umfangreicher empirischer Ausbildungsforschung entwickelt wurde und mittlerweile auch in der medizinischen Ausbildung in der Schweiz zum Einsatz kommt.
Die SFU ist die erste österreichische Universität, die dieses erprobte und umfassende Ausbildungskonzept zum Fundament ihres Curriculums macht.
Das fächerübergreifende, didaktische Konzept bereitet auf ein lebenslanges, selbständiges Lernen besser vor als das traditionell verbreitete, passive Aufnehmen von Expertenwissen.

Integriertes Lernen anstatt monodisziplinäre Lehre

Die naturwissenschaftlichen Grundlagen die für ein tief gehendes Verständnis humanmedizinischer Problemstellungen erforderlich sind, werden in den ersten fünf Semestern des Studiums im Sinne einer Lernspirale mit Redundanzen in jeweils adäquater themenspezifischer Breite und Tiefe vermittelt. Ergänzt wird das Grundlagenwissen – wie es in Reformcurricula üblich ist – problemorientiert durch einfache klinische Bezüge, die das disziplinen- und vor allem auch organübergreifende Denken fördern und unterstützen.
Die Inhalte der einzelnen organbezogenen Module des Bachelor-Studiums orientieren sich an den deutschen Gegenstandskatalogen für die ärztliche Vorprüfung in den Fächern Physik, Physiologie, Chemie und Biochemie, Biologie und Anatomie, die den internationalen Standard für die Vermittlung sogenannter „vorklinischer Inhalte“ im deutschsprachigen Raum darstellen.

Das Curriculum unterscheidet sich von den traditionellen Medizin-Curricula, die eine Trennung in Vorklinik und Klinik aufrecht erhalten, nicht im Umfang des vermittelten naturwissenschaftlichen Lernstoffs, sondern in der zeitlichen Abfolge (organbezogene, modulare Strukturierung des Lernstoffs), in der lehrdidaktischen Vermittlung und durch die Kontextualisierung naturwissenschaftlicher Inhalte mit problemorientierten, klinisch-praktischen Fragestellungen.

Unterricht zwischen Struktur und Flexibilität

Bei der Festlegung welches Ausmaß an Pflichtunterrichtszeit das am besten geeignetste ist, haben wir uns an der existierenden wissenschaftlichen Literatur orientiert. Es gibt Evidenz, dass Pflichtunterricht, der mehr als 20 Präsenzstunden pro Woche übersteigt, zu einer Reduktion der Lernzeit für Gruppenarbeit, Selbststudium, Hausübungen etc. führt. Zusätzlich zum Pflichtunterricht bieten wir im Rahmen des angeleiteten Selbststudiums Tutorien und weiterführende Praktika als freiwilliges Angebot für interessierte Studierende zur Optimierung des Lernumfelds an. Als synoptische Maßnahme wurde jedoch nicht nur die Präsenzzeit auf das Niveau der aus der wissenschaftlichen Literatur resultierenden Empfehlungen angepasst, vielmehr wurden auch das lehrdidaktische Konzept und das Prüfungswesen entsprechend angepasst und die Länge der Semester auf jeweils 19 Unterrichtswochen erweitert.

Bei der Gestaltung dieser beiden Bereiche haben wir insbesondere die Vorschläge der größten niederländischen Studie (Schmidt et. al., 2010), die an 14.000 Studierenden über einen Zeitraum von 10 Jahren durchgeführt wurde, berücksichtigt. Die Autoren verweisen hier auf die positiven Lerneffekte, die aus einer aktiven Gestaltung des Unterrichts resultieren: Plenumsdiskussionen, Präsentationen, Kleingruppenprojekte und ähnliche Maßnahmen des gemeinsamen Lernens („Collaborative Learning“) finden sich in den Unterrichtsformaten des vorliegenden Studiengangs.

Gemeinsames Lernen in lehrdidaktisch aktivierenden Unterrichtseinheiten, regelmäßige kleinere Wissensüberprüfungen und ausreichend Zeit für Selbststudium und die Möglichkeit für selbstbestimmte Vertiefungen des Lernstoffs entsprechend der individuellen Neigungen im Rahmen von Tutorien sehen wir als optimale Kombination von strukturiertem Lernumfeld und flexiblem Gestaltungsspielraum.

Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikationskompetenz

Das Royal College of Physicians and Surgeons of Canada (RCPSC) hat bereits 1996 ein Grundgerüst zur Definition der Rolle des Arztes entwickelt: das sogenannte „CanMEDS 2005 Framework“. Dieses Grundgerüst drückt aus, dass für einen echten medizinischen Experten mehr notwendig ist als alleiniges medizinisches Wissen. Denn medizinisches Wissen alleine macht den Patienten noch nicht gesund – es muss klug angewendet und gut mit dem Patienten kommuniziert werden.

Ansprüche, die wir an unsere Studierenden stellen, müssen in gleicher Weise vom Lehrpersonal im Sinne eines Rollenvorbilds erfüllt werden.

Es kommen also noch weitere wichtige Funktionen hinzu, die von hoher Bedeutung sind, um ein guter Arzt bzw. eine gute Ärztin zu sein:
Kompetenzen im Bereich Kommunikation (Communicator), Zusammenarbeit (Collaborator), Fähigkeit für ein lebenslanges Lernen (Scholar), die Bereitschaft, als Fürsprecher des Patienten einzustehen (Health Advocate) und eine ethisch hochstehende ärztliche Haltung (Professional) sind ebenso wichtig für einen echten medizinischen Experten wie die Fähigkeit für ein gutes Management (Manager). Das vom Royal College of Physicians and Surgeons of Canada entwickelte Grundgerüst hat die ärztlichen Teilrollen umfassend beschrieben und weltweit hohe Akzeptanz erfahren, so dass dieses Gerüst in zahlreichen Ländern für die curriculare Entwicklung in unterschiedlichen Fachdisziplinen verwendet wird.
Das Rollenverständnis der CanMeds ist zentraler Leit- und Ankerpunkt des Ausbildungskonzepts der medizinischen Fakultät.

Als Schwerpunktuniversität mit humanwissenschaftlichem Profil sehen wir die Begleitung der Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung als zentral an: Unser Ausbildungsziel ist die Schulung von Kommunikationskompetenz im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit medizinischen Entscheidungs- und Kommunikationskonflikten sowie die Entwicklung der handlungskompetenten und lernfähigen Arztpersönlichkeit.

Kompetenz im Umgang mit Menschen, mit ihren besonderen Bedürfnissen und mit ihren Ängsten ist eine entscheidende Voraussetzung für einen gelungenen Heilungsprozess.

Früher Patientenkontakt und patientenorientierte Lehre

Früher Patientenkontakt ist ein wichtiges Instrument um theoretisches Lernen auch praktisch zu verankern und vor allem auch in einer frühen Phase des Studiums die eigene Persönlichkeit zu entwickeln und an der Kommunikationskompetenz begleitend zu arbeiten. Der frühe Patientenkontakt beginnt mit dem ersten Semester und ermöglicht es den Studierenden im Sinne eines „Community Medicine Projects“ Kontakt zu Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu haben.

Die Studierenden sollen anhand der persönlichen Kontakte mit Patienten und dem medizinischen Personal einen weiterführenden Einblick in ausgewählte Erkrankungen, deren Epidemiologie aber besonders auch in die Wahrnehmung des Patienten in seinem Krank-Sein erhalten. Kenntnisse über das Zusammenwirken von bio-psycho-sozialen Einflussfaktoren auf Krankheitsgeschehen und -verlauf sollen gewonnen werden. Ziel ist es, in Kontakt mit Menschen zu kommen, die kaum Zugang zur Standardversorgung haben und die „Medizin der Armen“ kennenzulernen. Darüber hinaus geht es um die eigenständige Anwendung von Methoden der absoluten Basisversorgung mit rudimentären Mitteln und um die Überwindung von Kontaktschwellen. Der Abbau von Hemmungen im Umgang mit Personengruppen mit besonderen Bedürfnissen wird durch diese Praktika ebenso unterstützt wie Erfahrungen mit Erwartungshaltungen und Reaktionen auf die medizinische Versorgung gesammelt werden.

Die Schaffung von Verständnis über Versorgungslücken des medizinischen Systems zwischen den Institutionen und ein Kennenlernen der Versorgung von Menschen in ihrem Zuhause ist ebenso Bestandteil der frühen Ausbildung am Patienten.

Das Zuhören, das Erleben von Krankheit ist das Eine, das Vermitteln ärztlichen Handelns das Andere: Essentieller Bestandteil einer menschlichen Medizin ist die richtige Sprache.

Forschungsorientierte Lehre als zentraler Dreh- und Ankerpunkt

Wir sehen wissenschaftliches Denken und Handeln als konstitutives Qualitätsmotiv: Die Einübung wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens bildet ein unverzichtbares Prinzip jeglichen Studierens und ist als konstitutives Qualitätsmoment auch eines berufsorientierten Studiums zu betrachten. Daher muss die Qualität der Lehre immer auch vor dem Hintergrund der zu vermittelnden Wissensinhalte betrachtet werden. Das Prinzip der Wissenschaftlichkeit ist jenes Moment, das ein Hochschulstudium von anderen Ausbildungs- und Bildungswegen unterscheidet. Vor allem aber stellt die Anwendung dieses Prinzips sicher, dass Reflexionskompetenz und Urteilsvermögen sowie fundierte Fach- und Methodenkenntnisse vermittelt und Studierende darauf vorbereitet werden, in Berufs- und Tätigkeitsfelder einzutreten, die durch Offenheit der Gestaltung sowie ein breites Aufgabenspektrum gekennzeichnet sind und daher auf theoretischer und methodischer Kompetenz beruhende Selbstständigkeit und Verantwortlichkeit in der Problemdefinition und -lösung verlangen.

Für die Universität als Institution ist der auf Wilhelm von Humboldt zurückgehende Leitgedanke der Einheit von Forschung und Lehre folglich nach wie vor von entscheidender Bedeutung. Dieser Gedanke meint jedoch nicht, dass jeder Studierende notwendigerweise an Forschungsprojekten beteiligt werden muss. Im Sinne der Humboldt’schen Idee einer optimalen Verknüpfung von Forschung und Lehre sollte vielmehr in der Lehre der forschend-kritische Blick auf Inhalte und Methoden deutlich bleiben und der Prozess der Erkenntnisgewinnung und Wissensprüfung reflektiert werden.

Wir sehen die longitudinale Vermittlung forschungsorientierter Lehre als ein zentrales Alleinstellungsmerkmal unseres Studiengangs: durch durchgängige forschungsorientierte Lehre werden Forschungskompetenzen bei den Studierenden in besonderer Weise gefördert, denn diese Kompetenzen haben gerade in der Medizin und im medizinnahen Bereich eine besondere Bedeutung, da für komplexe Probleme praktische Antworten auf wissenschaftlicher Grundlage gefunden werden müssen.