Leitbild und Vision

Die Medizin befindet sich in einem fundamentalen Wandel. Sie ist nach wie vor eine weithin naturwissenschaftlich geprägte Medizin mit einem reduktionistischen Menschenbild. Aber diese Ausrichtung ändert sich langsam.

Erstmals aufgebrochen wurde dieses Menschenbild durch das Aufkommen der Psychologie und der sich daraus entwickelnden psychosomatischen Medizin mit einem bio-psycho-sozialen Menschenbild. Die psychosomatische Medizin spezialisierte sich ihrerseits in Fächern wie Psychoonkologie oder Psychoneuroimmunologie.
Damit trat das Individuum mit seiner einmaligen Lebensgeschichte in den Vordergrund. Dieser Trend der Individualisierung der Medizin nimmt heute weiter zu, man spricht inzwischen von individualisierter Medizin, personalisierter Medizin oder gar partizipativer Medizin. Mit dieser Entwicklung geht die Notwendigkeit einer veränderten Arztausbildung einher. Der Arzt von morgen muss sich neben seinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen mehr und mehr auf das individuelle Leben seiner Patienten in ihrer spezifischen Umgebung (Familie, Arbeitsplatz, Freizeit) einlassen. Er wird sich mehr bemühen müssen, jeden Menschen individuell zu behandeln. Soll der Begriff der personalisierten Medizin verwendet werden, geht es gerade nicht nur darum, das individuelle Genom zu betrachten, um den Einzelnen gezielter mit Medikamenten therapieren zu können, sondern vor allem darum, den Menschen in seiner Ganzheit (im Sinne der Begriffsdefinition der WHO) zu erfassen. Dazu gehören zum Einen seine Umgebung und seine Umwelt mit Fragen der Familie, aber auch der Ernährung, der Bewegung, des Sportes. Vor allem aber geht es um sein individuelles Innenleben mit seinem Denken und Fühlen. Auch Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Krankheit und Tod sowie die gesamte spirituelle Dimension mit der Frage nach dem Absoluten spielen hier eine Rolle. Denn all diese Parameter haben Einfluss auf Krankheit und Gesundheit. Der künftige Arzt muss daher besser ausgebildet sein im Erfassen des ganzen Menschen.

Er sollte in der Lage sein jeden einzelnen Patienten im Gespräch auch in seiner Lebensführung und Lebensausrichtung zu begleiten. Dann erst trifft der Begriff der personalisierten Medizin als Zugang zur gesamten Person zu. Aber auch die Entwicklung der personalisierten Medizin ist schon weiter gegangen hin zur sogenannten partizipativen Medizin. Hier stellen sich Patienten bereits im Internet ihre Diagnose und ihre Therapie zusammen, um diese Vorschläge dann mit dem Arzt zu besprechen. Auch aus dieser Entwicklung heraus muss der künftige Arzt in der Lage sein, die Vielfalt der naturwissenschaftlichen Informationen zu einem Gesamtbild zusammenzuführen. Dazu braucht er naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Zugänge zum Menschen. Denn zum Einen nimmt das Wissen um die Komplexität von Krankheiten ständig zu und zum Anderen werden Patienten immer anspruchsvoller und wollen zumindest in den hoch entwickelten Ländern mitentscheiden. Daher sollten in der Ausbildung der Ärzte vermehrt anthropologische, ethische sowie spirituelle Fragen mit bedacht werden. Nur dieser umfassende Blick auf die Vieldimensionalität des Menschen wird dem einzelnen Patienten gerecht.

Diesen neuen Herausforderungen stellt sich die Sigmund Freud Privatuniversität mit den Studiengängen der Medizinischen Fakultät: Hier soll moderne Medizin unterrichtet werden, die sich auf hohem Niveau der Komplexität menschlichen Lebens stellt und dem einzelnen Patienten in seiner einmaligen und unersetzlichen Individualität gerecht wird.

Die Medizinische Fakultät der SFU soll als Plattform dienen für die Umsetzung einer neuen Ausbildungsidee. In dieser Idee wird der Gedanke der partizipativen Medizin, die die Vieldimensionalität des Menschen und die Komplexität der Gesundheitsbedürfnisse betrachtet, durch exzellente, forschungsorientierte Lehre verwirklicht: ein Medizinstudium mit Qualität und Seele.